Sitzungsberichte

26. 7. 2017

Waldwirtschaft macht keinen Spaß mehr

Bei der letzten Sitzung des Schrozberger Gemeinderates stand die Diskussion über die Waldwirtschaft im Jahr 2005 auf der Tagesordnung. Doch derzeit braucht man im Wald nichts zu planen, so Revierförster Udo Hauber, auch die Planung 2004 hat der Borkenkäfer über den Haufen geworfen.

Bevor man sich mit der Situation über den Stadtwald auseinandersetzte, berichtete Oberforstrat Friedrich Kirschstein über die Situation um Wald und Forst im Allgemeinen. Angefangen bei der Waldsituation gibt es noch keine Entwarnung zu vermelden, 2004 war zwar wieder etwas niederschlagsreicher als 2003, allerdings mussten immer wieder Bäume mit Mangelerscheinungen gefällt werden. Die ebenfalls im letzten Jahr durchgeführte Waldschadensinventur des Bundes förderte es zutage: 40 % der Waldbäume werden als erheblich beschädigt eingestuft – keine gute Bilanz. Im Landkreis Schwäbisch Hall ist es sogar noch schlimmer, die Schäden liegen laut dem Forstexperten deutlich über dem Durchschnitt, die Schadholzmenge übertrifft das, was bisher an Schäden im Wald zu beklagen waren. Nur ein kaltes und nasses Frühjahr könnte eine Verbesserung der Situation bringen, denn nur wenn die Bäume genügend mit Wasser versorgt sind, ist der Harzfluss so ausreichend, dass dem Borkenkäfer sein böses Spiel erschwert wird.

Ganz besonders stolz ist Oberforstrat Kirschstein auf die Privatwaldbesitzer, die fast ausnahmslos hinterher sind, dürre und käfergeschädigte Bäume aufzuarbeiten. Er sichert zu, dass die Forstverwaltung auch weiterhin alles tun wird, damit dieses Holz optimal vermarktet werden kann. Die derzeitigen Holzpreise sind mehr stagnierend. Nicht nur die heimischen Schadhölzer versorgen die Nachfrage, auch ein großer Sturmwurf in Skandinavien/Norwegen, bei dem der Einschlag von 2 Jahre geworfen wurde, lässt die Holzpreise nicht gerade steigen. Im Landkreis Schwäbisch Hall sind jedoch große Holzabnehmer und Sägewerker, so dass möglicherweise die Preissituation wie im Vorjahr bleiben kann.
In diesem Zusammenhang appellierte Oberforstrat Kirschstein, dass für die Energiegewinnung insbesondere zur Beheizung noch mehr der Rohstoff Holz genutzt werden sollte. In den Wäldern sind laut Waldinventur noch ausreichend Holzreserven vorhanden.

Das zweite unerfreuliche Thema des Forstmannes, der künftig als stellvertretender Leiter des landkreisweiten Forstamtes agiert, waren die Auswirkungen der Verwaltungsreform: Durch Beschluss der Landesregierung gingen viele Aufgaben auf die Landratsämter über, die bisher separate Verwaltungszweige waren. Dazu gehört auch die Forstverwaltung in Baden-Württemberg. Die Zuordnung zu den Landkreisen hat zur Folge, dass sich die Zuständigkeiten verschieben. Das war auch das „Aus“ für den Schrozberger Forstbezirk, da sich die Waldflächen bis in den Main-Tauber-Kreis erstrecken. Die neue Organisationsstruktur sieht nur ein Kreisforstamt mit Büro in Schwäbisch Hall vor, darunter gibt es Forstbezirke mit Dienststellen in Crailsheim, Schwäbisch Hall und Sulzbach-Lauffen, denen wieder etwa je 10 Reviere zugeteilt sind. Bei den Revieren, insbesondere in Schrozberg hat sich an der Betreuung nichts geändert: Försterin Waltraud Leinen und Förster Wolfram Meyer bleiben Ansprechpartner für die Privatwälder in Schrozberg, wenigstens die nächste Zeit. Großes Ziel dieser Reform soll sein, dass bis in 7 Jahren die Kosten insgesamt um 20 % reduziert werden. Anstatt dem Schrozberger Forstamt ist also künftig der Forstbezirk Crailsheim Ansprechpartner. Dessen neuer Leiter, Franz Köberle, stellte sich in der Sitzung auch gleich vor.

Zum Stadtwald Schrozberg erläuterte Förster Hauber, dass von den 450 geschlagenen Festmetern 80 % Käferholz waren, doch die Beseitigung der befallenen Stämme hat nirgends solche Löcher in die Bestände gerissen, dass eine Aufforstung notwendig wäre. Mittlerweile sind im Stadtwald kaum noch Fichten vorhanden. Geplant war eigentlich ein Bucheneinschlag bei Reichertswiesen, doch das wurde aufgrund der Schadholzaufarbeitung, die die Waldarbeiter auch andernorts forderte, zurückgestellt. Die Maßnahmen für 2005, die nur dann durchgeführt werden, wenn nicht noch weiter Dürre- und Käferschäden beseitigt werden müssen, wären die Durchforstung eines Birkenbestandes bei Krailshausen sowie der verschobene Bucheneinschlag bei Reichertswiesen aus dem Vorjahr.
Finanziell kann Förster Hauber gute Nachrichten vermelden, denn nach den bisherigen Zahlen schließt das Waldwirtschaftsjahr 2004 mit einem kleinen Überschuss ab. Die Planung für nächstes Jahr weist einen Zuschussbedarf von rd 8.500 € aus, allerdings sind die Ansätze wieder sehr vorsichtig geplant.

Bei der sich anschließenden Diskussion kam der Vorschlag, dass seitens der Forstverwaltung nicht alle dürren und kranken Bäume – soweit möglich - entfernt werden sollten, um der Bevölkerung den schlechten Zustand des Waldes zu verdeutlichen. Dies ist eine Zwickmühle für den Forst, denn einerseits stimmt dieses Argument, andererseits macht das Forstamt Druck auf die Privatwaldbesitzer, ginge dann aber mit eigenen Flächen mit schlechtem Beispiel voran, so die Antwort Kirschsteins.

Um die Wertholzsubmission in Schrozberg drehte sich eine andere Wortmeldung. Hier sicherte der stellvertretende Leiter des Kreisforstamtes zu, dass für 2006 wieder ein Termin in Schrozberg geplant ist.

Die Frage, ob sich bei der Privatwaldbetreuung in der nächsten Zeit etwas ändern wird, ließ Oberforstrat Kirschstein offen. Allerdings – so merkte er an – wenn man in 7 Jahren soweit sein will, dass tatsächlich 20 % Kosten gespart werden, dann muss sich in dieser Zeit auch etwas ändern.

Zu guter Letzt wurde noch bemängelt, dass es immer mehr anonyme und verwahrloste Waldflächen gibt, bei denen der Besitzer nicht mehr bekannt oder greifbar ist. Oberforstrat Kirschstein konnte hierzu nur entgegnen, dass wir hier noch goldene Verhältnisse haben – in städtischen Bereichen ist das noch viel schlimmer.

Der Waldwirtschaftsplan 2005 wurde ohne Gegenstimmen verabschiedet.