Sitzungsberichte

30. 4. 2017

Stadtwald ist Thema im Gemeinderat

Wie üblich zu Jahresbeginn war auch dieses Jahr Revierförsterin Waltraud Leinen im Schrozberger Gemeinderat und hat über den Stadtwald berichtet.

Zunächst galt das Augenmerk der Försterin allgemein dem Zustand der hiesigen Wälder, die deutlich unter dem trockenen und überdurchschnittlich warmen Sommer zu leiden hatten. Die Niederschlagsmengen zu Beginn des letzten Jahres sorgten zunächst für etwas Erholung gerade für die flachwurzelnden Bäume. Allerdings wurde es im August und September dann nicht nur trocken, sondern auch heiß, was den Waldbäumen doch sehr zugesetzt hat. Der vergangene Dezember war dann sogar der trockenste Wintermonat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Dadurch ist die Gefahr für den Befall durch Borkenkäfer & Co jetzt wieder deutlich problematischer. Revierförsterin Leinen fordert schon jetzt alle Waldbesitzer auf, ihre Fichtenbestände regelmäßig zu kontrollieren – insbesondere im Sommer 2017 sollten die Kontrollen in engen Abständen erfolgen.

Bestände mit Buchen, Hainbuchen und Weißtannen weisen zwischenzeitlich ebenfalls Schäden durch Trockenheit auf. Lediglich Eschen und Eichen sind bisher davon nicht betroffen. Allerdings sorgt der Pilz, der zum Absterben von Eschen führt, weiterhin für erhebliche Schäden bei Eschenwäldern. Aufgrund dieser Entwicklungen sorgt sich die Försterin um die Zukunft der regionalen Wälder. Es ist nicht ganz einfach, die richtigen Ratschläge für die Aufforstung von Waldflächen zu geben. Deshalb empfehlen die Forstspezialisten derzeit eine Mischung aus Baumarten wie Eiche oder Weißtanne, die als weniger anfällig gelten.

Der Holzmarkt zeigt sich nach wie vor stabil. Der Trend derzeit geht hin zu dunklen Holzarten, insbesondere dunkle und rustikale Eichenhölzer als Massivholz sind stark gefragt. Schlecht lassen sich derzeit Buchen verkaufen. Fichtenstammholz dagegen lässt sich sehr gut vermarkten und es lassen sich nach wie vor sehr gute Preise erzielen. Beim Brennholz sieht die Marktsituation für Waldbesitzer ebenfalls nicht schlecht aus, die Nachfrage ist unverändert gut. Die Forstverwaltung versucht auch, auf eine Preisstabilität beim Holzmarkt hinzuwirken und richtet im Bedarfsfalle Holznasslager ein, damit so bei zurückgehender Nachfrage Puffer vorhanden sind, damit der Preis weiter stabil bleibt.

Beim Stadtwald Schrozberg selbst ist die Situation zufriedenstellend. Bedingt durch die vielen kleineren Waldflächen wird die Stadt nie große Reichtümer aus dem Holzverkauf erlösen. Das Ziel, zumindest kein Defizit zu erwirtschaften, hat - betriebswirtschaftlich gesehen - 2016 nicht ganz geklappt. Das liegt aber nur daran, dass der geplante Holzeinschlag erst recht spät erfolgen konnte und der Erlös erst Anfang 2017 kassenwirksam wird. Försterin Leinen berichtete von einem Defizit von rund 7.000 €, das aber dem Jahr 2017 zugutekommt, wenn die Zahlungen für das eingeschlagene Holz bei der Stadt eingehen – im Grunde wäre die Rechnung ausgeglichen. Insgesamt 327 Festmeter wurden 2016 eingeschlagen, was auch den Planungen entspricht. Bei den größten Hieben fielen 44 Festmeter durch den Einschlag von Eschen an, die aufgrund des Pilzbefalles (Eschentriebsterben) gefällt werden mussten. Rund 12 Festmeter wurden als Sturmholz ebenfalls zwangsweise aufgearbeitet und 33 Festmeter fielen durch den Befall von Borkenkäfer an – somit mussten also rund 28 % des Holzeinschlages aufgrund von Schadensaufarbeitung vorgenommen werden, so viel wie schon lange nicht mehr, resümierte die Revierförsterin.

Der Starkregen Ende Mai des letzten Jahres richtete in den hiesigen Wäldern relativ wenig Schäden an – Revierförsterin Waltraud Leinen berichtete von Schäden an Wegen, die aber unproblematisch zu beheben waren.

Die Holzaufbereitungsarbeiten wurden überwiegend von der interkommunalen Waldarbeitertruppe vorgenommen. Es wurden aber auch Unternehmen beauftragt - der Käferholzeinschlag wurde beispielweise von einem Harvesterunternehmer vorgenommen.

Für das Jahr 2017 hofft Revierförsterin Leinen weiter auf ein ausgeglichenes Ergebnis. Der Einschlag mit rund 255 Festmetern ist in den Distrikten Nuzi (bei Spielbach), im Krailshausener Waasen sowie im Eichelberg (Reichertswiesen) geplant. Eine Aufforstung auf einer Fläche von insgesamt 0,4 Hektar (Krailshausener Tal und im Geistholz) soll mit Fichten, Douglasien, Weißtannen und Roterlen erfolgen. Insgesamt umfasst die fast ausgeglichene Bilanz im gemeindlichen Forst rund 13.000 €.

Dem Bericht von Försterin Waldtraud Leinen folgten noch etliche Fragen der Stadträte. Insbesondere die Entwicklung der Waldschäden und die Kosten für die Aufarbeitung bzw. die finanziellen Auswirkungen auf den Stadthaushalt waren dabei Thema. Die Försterin wird bei ihrer künftigen Arbeit auf eine gute Mischung von weniger anfälligen Baumarten bei Nachpflanzungen setzen, auch wenn der Holzmarkt vielleicht auf andere Vorlieben tendiert. Damit lassen sich zukünftig auch weiterhin keine großen Renditen erzielen, allerdings sind die Risiken dabei überschaubar. Eine weitere Anfrage bezog sich auf Wegeunterhaltungsmaßnahmen. Revierförsterin Leinen wird hier ihre bisherige Vorgehensweise beibehalten: dort, wo Sicherungsmaßnahmen notwendig sind, wird das immer im Blick auf die zur Verfügung stehenden Mittel auch so veranlasst werden.

Der Tagesordnungspunkt schloss dann mit einer einstimmigen Beschlussfassung zur vorgesehenen Planung für die Zukunft des Stadtwaldes sowie dem Dank von Bürgermeisterin Jacqueline Förderer an Revierförsterin Waldtraud Leinen.